Mittelalterliches Nürnberg

Stadtführungen durch das mittelalterliche Nürnberg

Frauenklöster: (K)eine Entsorgung lediger Töchter?

Die Dominikanerinnen von St. Katharina und aus Engelthal, die Klarissen innerhalb der Stadt: Das klösterliche Leben war für Frauen im Mittelalter reich an Bildungsmöglichkeiten und künstlerischer Entfaltung.

Das Katharinenkloster besaß eine der bedeutendsten Bibliotheken aller Frauenklöster im deutschsprachigen Raum, entstanden großteils durch die eigene Schreibtätugkeit im Kloster.

Jenseits heutiger Vorstellungen von freier Entfaltung des weiblichen Individuums, galten spätmittelalterliche Nonnen als hoch angesehene, religiöse Funktionsträgerinnen, die stellvertretend für die gesamte Stadtgemeinschaft Fürbitte leisten konnten.

Ruinen, Kirchengebäude und Kunstwerke legen davon noch heute Zeugnis ab.

Siehe hierzu meinen Beitrag in den Nürnberger Nachrichten.


Nur in gebührendem Abstand folgen?

Kaiser Karl IV. und die Frauen

Karl IV. ist ein vielfach erforschter Mann. Welche Rolle seine Frau Anna von Schweidnitz spielte, Mutter des in Nürnberg getauften Königs Wenzel, selbst Königin und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, bleibt dabei oft unbeleuchtet. Die Position der Königin erhielt in der von Kaiser Karl erlassenen berühmten Goldenen Bulle 1356 eine Schlechterstellung.

Was bedeutete der Aufstieg Nürnbergs zu einer der bedeutendsten Städte in diesem 14. Jahrhundert für die Zeitgenossinnen?

Er brachte neue Arbeitsmöglichkeiten im Fürsorgebereich durch die Stiftung des Heilig-Geist-Spitals oder auf dem neu geschaffenen Marktplatz im Zentrum der Stadt als Marktfrauen. Während das Dominikanerinnenkloster durch den Bau der Stadtmauer endlich mit ins Stadtgebiet einbezogen wurden, verloren die jüdischen Frauen und ihre Familien durch das Pogrom gegen ihre Gemeinde und dem Abriss der Synagoge 1349 ihre Existenzgrundlage.


„Stadt der toten Frauen“. Der Johannisfriedhof

Spuren weiblichen Schaffens finden sich allerorts, auch dort, wo man(n) sie vielleicht nicht vermuten möchte: auf dem Nürnberger Johannisfriedhof.

Auf diesem europaweit ältesten Friedhof, mit seinem faszinierenden Gräbermeer, erzählen Grabsteine und Epitaphien beredt von Frauenperönlichkeiten und Geschlechterverhältnissen im Nürnberg früherer Jahrhunderte.

Es sind Handwerkerinnen aus dem Rotschmiedehandwerk und der Weberei, es sind Stifterinnen und die ersten Pfarrfrauen des reformatorischen Nürnberg, und es sind Frauen „hinter“ berühmten Männern wie Agnes Dürer, die hier ihre Grabstätte gefunden haben.


„…kein geschrei uff den gräbern“
Beginen und Seelfrauen im mittelalterlichen Nürnberg

 Weitgehend unbekannt und fern großer reichsstädtischer Pracht:
Die religiös motivierten Frauen des Mittelalters, die sich jenseits von Klostermauern und ehelicher Vormundschaft ein gemeinschaftliches Leben in der Stadt schufen. Sie waren tätig in der Krankenpflege, der Sterbebegleitung und der Totenklage, wodurch sie sich ihren Lebensunterhalt erwirtschaften konnten.

Es sind unscheinbare Gässchen, die Zeugnis ablegen von diesen Frauengemeinschaftten, die sich ab dem 13. Jahrhundert zusammenschlossen. Es waren alleinstehende Frauen, mal verwitwet, mal mit ihren Kindern. Unterstützt wurden sie von dem reichen Nürnberger Patriziat – immerhin übernahmen sie die Sorge um das Seelenheil und begleiteten die Toten auf ihrem Weg ins Jenseits, hatten somit wichtige religiöse Aufgaben für die Stadtgemeinschaft inne.

Siehe hierzu den Beitrag in den Nürnberger Nachrichten.


Heilerinnen, Hebammen und Heilige
Frauen in Medizin und Krankenpflege

Krankenpflege wurde eine weibliche Tugend, als mit der „Religiösen Frauenbewegung“ des 13. Jhs. Frauen karitative Arbeiten übernahmen und in der Fürsorge tätig wurden.

Beginen versorgten nun die Kranken und städtische Hebammen begleiteten die Hausgeburten. Hinter all dem stand ein völlig anderes Menschen- und Wahrnehmungsbild: Was bedeutete für Frauen früherer Jahrhunderte z. B. eine Schwangerschaft? Wo brachten unverheiratete Mägde ihre Kinder zur Welt, wie funktionierte die Sorge um Seuchekranke, welche medizinischen Künste beherrschte die „Schauerin“ im städischen Heilig-Geist-Spital, was waren die wichtigsten Heiligen für die Heilung?

 


Oberschicht und unten durch
Sigenas „Schwestern“ im mittelalterlichen Nürnberg

In der Freilassungsurkunde der Sigena von 1050 ist Nürnberg erstmals erwähnt: Der erste schriftlich belegbare „Nürnberger“ ist somit weiblich! Und wie lebten die Frauen in den darauf folgenden Jahrhunderten in der großen Reichsstadt?

Sie waren maßgeblich involviert in das städtische Handelsleben: Als berufstätige Frauen im Geldwechsel und dem Tuchgeschäft genossen sie die gleichen Rechte und Pflichten wie die Männer ihres Standes und waren voll geschäftsfähig.
Eine politische Teilhabe blieb auch den Frauen des Patriziats verwehrt, sie forderten dergleichen auch nicht ein. Doch ihr gehobener Stand ermöglichte ihnen indirekte Teilhabe am öffentlichem Geschehen, so durch Petitionen und bei öffentlichen Zeremonien.

Hauptmarkt, Rathaus, Lochgefängnisse und Kirchen sind nur einige der Orte, die hierbei aufgesucht werden.


Ob Kinder oder keine …
Zur Geschichte von Mütter, Mädchen und anderen Menschen

Was ist dran an der Mütterlichkeit? Ist sie ein Mythos oder gibt es sie tatsächlich – die spontane Mütterlichkeit zum Kind? Und was, wenn es ein Mädchen war?

Bei dieser Stadtführung wird thematisiert, ob mütterliche Liebe, Elternschaft und Kindheit natürliche, unveränderliche Konstanten oder abhängig von gesellschaftlichen Entwicklungen sind.

Wir besuchen einige der Nürnberger Kirchen, die durch ihren großen Reichtum an Zeugnissen spätmittelalterlicher Frömmigkeit interessante Bildquellen bergen, die für sozial- und frauengeschichtliche Fragestellungen fruchtbar gemacht werden können: Welche Bedeutung hatte das Stillen in früheren Jahrhunderten, welche Rolle nahm der Vater ein?


Hauptmarkt, Frauenschul und Judengasse
Eine Stadtführung zu jüdischer Frauengeschichte

Die Orte jüdischen Lebens in Nürnberg sind bekannt, doch nicht mehr vorhanden, weil zerstört und von den Folgejahrhunderten überlagert.
Und dennoch ist es möglich, sich ein Bild zu verschaffen, von dem Alltag der Nürnberger Jüdinnen im mittelalterlichen Nürnberg.

Richenza hieß die Vorbeterin der bedeutenden jüdischen Gemeinde Nürnbergs, die die die hebräischen Gebete der Männer für die Frauen in ihrer Frauenschul‘ ins jüdisch-deutsche übersetzte.

Wie organisierten die Frauen der Gemeinde ihren Haushalt? Waren sie beteiligt an der Gestaltung des öffentlichen Raumes? Welche Aufgaben übernahmen sie in ihren Familien, welche Arbeitsmöglichkeiten boten sich ihnen angesichts der massiven Einschränkungen durch die christliche Mehrheitsgesellschaft?
Anders als in christlichen Ehen, besaß der Ehemann in der jüdischen Gemeinde kein Züchtigungsrecht gegenüber seiner Frau, auch eine Scheidung war ihr in begründeten Fällen möglich. Ergänzt wird die Führung durch die Suche nach jüdischen Traditionen, die sich in der christlichen Kunst der Nürnberger Kunstwerke widerspiegelt.