Frauenbildung in Venedig

„Venezias Frauen: leichthändig und stark beim Führen des Ruders“ (Giustina Renier-Michiel 1755-1832)

Frauenbildungsreise nach Venedig mit FRIdA Frauenreisen

18.  (Anreise) – 23. April (Abreise) 2017

Leitung: Nadja Bennewitz M.A., Historikerin

Eine Kunstbesessene Sammlerin, renitente Arbeiterinnen und starke Frauen, die auf der Gondel das Ruder führen, verwunschene palazzi und  verspielte Malerei – bei dieser venezianischen Spurensuche lernen Sie unbekannte Seiten und Winkel der Lagunenstadt  kennen und werfen einen  ungewohnten Blick auf das mittelalterlicher Venedig mit erstaunlich moderner Kunst, Architektur und Organisationsformen des 20. Jahrhunderts.

Ergehen Sie sich in der Frauengeschichte zwischen schattigen Gässchen, weitläufigen Plätzen und auf der schillernden Lagune.
 
Eine besondere Art, dem Alltag zu entfliehen und dabei Frauen-Kulturgeschichte zu erfahren!

Hier können Sie eine Radiosendung über FRIdA Frauenreisen und meine Reisen nach Venedig anhören:

 

Aus dem Programm (Änderungen vorbehalten):

Zum Einstieg der Aufstieg

Ein Spaziergang von den Giardini entlang des Markusbeckens auf der Riva degli Schiavoni, der „Stadtpromenade“, wird eine erste Orientierung über die Topografie Venedigs  und ihren sechs Stadtteilen geben.

Wenn wir anschließend (mit dem Fahrstuhl!) den Kirchturm des Benediktinerklosters San Giorgio Maggiore besteigen, können Sie den atemberaubenden Ausblick auf die Lagunenstadt von oben aus genießen. Venedig wird Ihnen zu Füßen liegen!

San Giorgio Maggiore war das wichtigste geistliche Zentrum Venedigs und die Mönche platzierten sich bewusst direkt gegenüber dem Dogenpalast – dem Mittelpunkt der weltlichen Macht.

 

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Die geistliche Macht der Frauen

Das weibliche Pendant zu den mächtigen Mönchen war das Benediktinerinnenkloster San Zaccaria, deren Nonnen dem Dogen einst ihren Gemüsegarten vermachten, damit der dort den Palazzo Ducale errichten konnte.

Ihre Geschichte reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück und zeichnet sich insbesondere an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert aus durch die Renitenz der geistlichen Aristokratinnen: Eine Reform und strenger Klausurvorschriften wollten sie sich nicht gefallen lassen!

Mit ihren kostbaren gotischen Altären, die die geistleichen Frauen einst selbst in Auftrag gaben, hinterließen sie ein faszinierendes Beispiel weiblichen Mäzenatentums im Mittelalter!

 

Zwischen Handwerk und Luxus

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Palazzo_Fortuny

Die Modeschöpfungen und Stoffe des Ehepaares Henriette und Mariano Fortuny prägten den Geschmack der Zeit der high society um 1900.

Noch die Mäzenin und Kunstsammlerin Peggy Guggenheim trug das legendär gewordene Kleid Delphos, in dem die Trägerin weder schwitzen, noch sich bequem setzen konnte. Doch es sah eben schick aus, wie vor ihr auch die Schauspielerinnen Sarah Bernhardt und Eleonora Duse fanden, die mit dem Ehepaar Fortuny Kontakt pflegten.

Deren vom Touristentrubel abgelegener palazzo Fortuny ist ein Kleinod gotischer Baukunst und noch immer ein Ort faszienierender Kunstausstellungen.

Henriette Fortuny vermachte den Palast der Stadt Venedig – ein Glück für uns!

 

 

 

Kunst, Kitsch und Klatsch – Peggy Guggenheim und ihre Sammlung

pegeen_grand_canal_1956Die erstklassige Sammlung abstrakter und surrealistischer Kunst der skandalumwitterten Peggy Guggenheim (1889-1979) wird noch heute in ihrem ehemaligen palazzo am Canal Grande präsentiert.

Die Förderin der künstlerischen Avantgarde galt als „die letzte Dogaressa“Peggy_Hunde_Canal_Grande Venedigs.

Als Kunstmäzenin ist sie in die Kunst- und Frauengeschichte eingegangen. Jenseits ihrer „Männergeschichten“ widmete sie sich auch der Unterstützung von Künstlerinnen.

In ihrem Museum finden sich jedoch – außer den Werken ihrer eigenen Tochter Pegeen Vail (1926–1967) – (fast) nur Werke von männlichen Kunstschaffenden.

Anhand dieser Werke lässt sich nicht nur die Kunstgeschichte der 20. Jahrhunderts nachzeichnen, sondern auch die Lebensgeschichte von Peggy verfolgen, und die war reichlich aufregend!

 

Primadonna Gondoliere!

FRIdA_Venedig_Hai_2_4094Viele haben es in der Presse verfolgt:

Alexandra Hai ist nach Jahren des Kampfes gegen die männliche Konkurrenz als gondoliera in den venezianischen Kanälen unterwegs.

Bei einem Treffen mit der ersten Gondelfahrerin der Welt und einem gemeinsamen Theoriekurs über die Technik der Wasserkunst und ihre historische Gondel, wird sie uns als krönenden Abschluss über das Wasser rudern!

Einen kleinen Vorgeschmack auf die gondoliera gibt ein 3-minütiger Film, den Sie hier einsehen können.

 

 

Zwischen Mittelalter und ModerneScarpa_Querini_web

Wo sich historische Bausubstanz und moderne Architektur die Hand geben:

Das Museum Querini Stampalia, einst palazzo der gleichnamigen Familie, birgt Kunstschätze ersten Ranges aus Renaissance und Barock sowie moderne Formen der Baukunst:

Behutsam und aufmerksam hat sich hier der venezianische Architekt Carlo Scarpa an die Vergangenheit angenähert und dabei die traditionellen Formen venezianischer Palastbauten neu interpretiert. 

 

 

Partisanin_Venedig_webVenedig im Faschismus und der Widerstand

Mit Erstarken des Faschismus verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen der Arbeiterschaft in der Lagunenstadt.

Der Widerstand, der sich in Venedig gegen italienische Faschisten und deutsche Besatzer formierte, musste taktisch, subversiv und äußerst vorsichtig vorgehen – der einzige Fluchtweg war die Bahnstrecke aufs Festland.

In den »Giardini«, dem heutigen Schauplatz der »Biennale«, stehen Denkmäler für die Frauen im Partisanenkampf, die im Widerstand aktiv waren – eine spannende Form der Erinnerungskultur in Italien.

 

Streik, Protest und Widerstand

GlasperlenzieherinnenIndustrialisierung auf venezianisch: Keine großen Industrieansiedlungen, sondern Heimarbeit in vermeintlich malerischen Gassen vor den Häusern, so sah das Arbeitsleben der Venezianerinnen um 1900 aus – jenseits von Souvenirs und Nippes.

Die Glasperlenzieherinnen von Castello, die per Hand für die Fabriken auf Murano die Perlen auffälden mussten, galten als streitbar, renitent und selbstbewusst: Mit Streiks und lautstarken Aktionen reagierten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf schlechten Lohn und miese Arbeitsbedingungen.

1904 beendeten sie erfolgreich ihren Streik!

 


Unterkunft

Ruhiges Wohnen in renoviertem Kloster – Sie reisen individuell an und wohnen in einem ehemaligen Klosterkovent im ruhigen Stadttteil Dorsoduro – im historischen Zentrum Venedigs – unweit der Gallerie dell’Accademia. Das Gebäude verfügt über vier Kreuzgänge aus dem 15. und 18. Jahrhundert und die Kirche Santa Maria della Visitazione. Dank seiner Weite, seiner Architektur und seiner Gärten bietet das Gästehaus als Oase in der Stadt viel Raum und Ruhe für Zusammenkünfte der Gruppe.

Die Einzel– und Doppelzimmer sind hell, mit Blick auf Gärten oder Kreuzgänge, mit Klimaanlage, eigenem Bad (Dusche), Haartrockner und Safe ausgestattet. Die gesamte Anlage verfügt im Innen-und Außenbereich über WIFI-Anschluss. Das Frühstücksbüffet wird in dem großen Frühstückssaal und bei schönem Wetter im Brunnenhof serviert.

Die kulinarische Seite der Lagunenstadt lernen Sie bei gemeinsamen Abendessen in einem typischen venezianischen „Ristorante“ auf der Giudecca kennen.

Leistungen

5 Übernachtungen mit Frühstück, 3 Mehrgängemenüs, alle Museumseintritte und Führungen sowie die Fahrten auf den vaporetti, den venezianischen Wasserbussen.

Die Anreise per Bahn oder Flugzeug erfolgt individuell oder in kleinen Frauengruppen, persönlich beraten von FRIdA Frauenreisen und ist nicht im Reisepreis inbegriffen.

Infos und Anmeldung

FRIdA Frauenreisen

Elke Heinemann & Kirsten Harder

Königstr. 137 a

90762 Fürth

T. 0911-4 33 18 64

F. 0911-4 78 12 55

info [at] frida-frauenreisen [dot] de


Podcast zum venezianischen Alltag von Nadja Bennewitz  (8,5 MB)

Laufen wie am Schnürchen (einer Perlenkette aus Muranoglas)

 


Die DVD zur venezianischen Frauengeschichte

Venedig – Eine Frauengeschichte

Ein Film von Anette von Zitzewitz

Kamera Susette Wahren

Persephone 2008

Erzählt von:

Nadja Bennewitz, Carla Boccato, Lisette Caputo, Rita Costantini, Tiziana Plebani, Maria Teresa Sega, Nadia Filippini, Alexandra Hai, Maria Pia Miani

Dokumentarfilm, 82 Minuten

Die DVD ist für 25,00 € + Porto zu bestellen bei:

avonzitzewitz [at] web [dot] de

 

Venezianerinnen erzählen Lebensgeschichten vom 16. Jahrhundert bis heute. Historikerinnen und Künstlerinnen begleiten die filmische Reise durch die einzigartige Stadt Venedig und lassen Orte der Frauengeschichte lebendig werden.

Wir treffen auf Nonnen und Kurtisanen, Künstlerinnen, Ehefrauen und Mütter und erfahren etwas über die Salonière im Ghetto, die Waisenhäuser und Konservatorien für Mädchen („Ospedali“), die Arbeitskämpfe der Glasperlenzieherinnen, den antifaschistischen Widerstand der „Stafetten“ und begegnen den gegenwärtigen Frauenprojekten Venedigs. Dieser Reichtum von Fraueninitiativen fügt sich chronologisch zu einer anschaulichen Alltags-, Kultur- und Zeitgeschichte dieser kosmopolitischen Stadt.