Frauenbildung in Venedig

„Venezias Frauen:

leichthändig und stark beim Führen des Ruders“ (Giustina Renier-Michiel 1755-1832)

Frauenbildungsreise nach Venedig mit FRIdA Frauenreisen

7. April (Anreise) – 12. April (Abreise) 2020

Leitung: Nadja Bennewitz M.A., Historikerin

Die meisterhafte Porträtmalerin Rosalba Carriera, renitente Arbeiterinnen auf dem Campo Margherita und starke Frauen, die auf dem Boot das Ruder führten, um ihre Waren auf den venezianischen Märkten zum Kauf anzubieten, verwunschene palazzi und  großartige Renaissancekunst in der Accademia, die das zeitgenössische Frauenbild prägten – bei dieser venezianischen Spurensuche lernen Sie unbekannte Seiten und Winkel der Lagunenstadt  kennen und werfen einen  ungewohnten Blick auf das mittelalterlicher und frühneuzeitliche Venedig mit erstaunlich moderner Kunst und Architektur aus dem 20. Jahrhundert.

Ergehen Sie sich in der Frauengeschichte zwischen schattigen Gässchen, weitläufigen Plätzen und auf der schillernden Lagune.

Eine besondere Art, dem Alltag zu entfliehen und dabei Frauen-Kulturgeschichte zu erfahren!

Hier können Sie eine Radiosendung über FRIdA Frauenreisen und meine Reisen nach Venedig anhören:

Aus dem Programm (Änderungen vorbehalten):

Im Kreuzgang wandeln

Jeder Morgen in Venedig beginnt im Kreuzgang der zauberhaften Unterkunft in Dorsoduro, dabei eine venezianische Tradition aufgreifend, wie sie die frühneuzeitliche Autorin Moderata Fonte (1555-1592) in ihrem Buch „Warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer“ beschrieb. Hierin treffen sich sieben Venezianerinnen in einem prächtigen Palazzo und diskutieren in blühenden Gärten über Gott und die Welt und das Verhältnis der Geschlechter.

Moderata Fonte lässt in ihrem Werk, in der Forschung als „protofeministische Schrift“ bezeichnet, ausschließlich Frauen zu Wort kommen, was eine literarische Neuheit darstellte. Die Voraussetzung für dieses Frauengespräch, das sie entwarf, war die Abwesenheit der Männer: männliche Herrschaft und weibliche Freiheit lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Auf diesen Spuren werden wir wandeln.

Venedig wird Ihnen zu Füßen liegen!

 „Bedenken Sie: Venedig ist nicht nur der Markusplatz“, so der offizielle Hinweis der Stadt.

Und tatsächlich ist Venedig weitaus mehr: Uralte, steinerne Zeugnisse erzählen von der bedeutenden Frauengeschichte und der Geschichte einflussreicher Frauen.

Wenn wir den Kirchturm von San Giorgio Maggiore, des einst wichtigsten geistlichen Zentrums, besteigen, dann breitet sich Venedig in aller Pracht vor uns aus. Ganz bewusst und sehr geschickt haben sich die Mönche des dortigen Benediktinerkloster direkt gegenüber dem Dogenpalast platziert.  Eine erste Orientierung über die Topografie Venedigs und den sechs Stadtteilen führt uns ein in die Geschichte der Serenissima – und ihren weiblichen Seiten!

San_Zaccaria_webDie geistliche Macht der Frauen

Das weibliche Pendant zu den mächtigen Mönchen war das Benediktinerinnenkloster San Zaccaria, deren Nonnen dem Dogen einst ihren Gemüsegarten vermachten, damit dieser dort den Palazzo Ducale errichten konnte.

Die Geschichte des Frauenklosters reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück. Insbesondere an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert zeichneten sich die geistlichen Aristokratinnen durch eine unerwarteteRenitenz aus: Eine Reform und strenge Klausurvorschriften wollten sie sich nicht gefallen lassen!

Mit ihren kostbaren gotischen Altären, die die geistlichen Frauen einst selbst in Auftrag gaben, hinterließen sie ein faszinierendes Beispiel weiblichen Mäzenatentums im Mittelalter!

Nackte Männer und malende Frauen:  Giulia Lama (1681-1747)

Die Malerin Giulia Lama war eine bedeutende Vertreterin des venezianischen Rokoko. Ihre Altargemälde in den Kichen San Vidal und Santa Maria Formosa legen Zeugnis ab von ihren Kenntnissen über die menschliche Anatomie.

Gallerie dell’Accademia – die Frau in der Kunst und Kunst von Frauen

Die Accademia – wie sie von Venezianern liebevoll genannt wird – befindet sich unweit des Gästehauses. Das beeindruckende Gebäude mit Kirche gehörte der Scuola Grande della Carità, einer laizistischen Bruderschaft, von denen es an die 300 in Venedig gab. Solche Gilden, denen auch Frauen angehörten, kümmerten sich um die Interessen eines Berufs, einer Bevölkerungsgruppe oder eines Handwerks. Adel und Klerus waren von der inneren Verwaltung ausgeschlossen, es waren rein bürgerliche Selbstverwaltungsorgane.

Heute ist die Accademia ein Museum, das weltweit die größte Sammlung venezianischer Malerei von der Gotik bis zum Rokoko besitzt. Die Innenräume wurden im 20. Jahrhundert von dem bedeutenden Architekten Carlo Scarpa kunstsinnig und schonend restauriert.

Bei der hier ausgestellten mittelalterlichen Altar- und Tafelmalerei lassen sich christliche Marienüberhöhung bei gleichzeitiger Frauenverachtung exemplarisch nachvollziehen, meisterhaft setzten auch die großartigen Renaissancemaler Giovanni Bellini und Vittore Carpaccio eine zarte Maria in Szene – immer versehen mit einer nicht nur theologischen, sondern auch sozialgeschichtlichen Botschaft dahinter: Wir müssen sie nur entziffern!

Nach den Größen der Kunstgeschichte wie Tintoretto, Giorgione, Hieronymus Bosch u.a. treffen wir endlich, ganz am Ende der Schau endlich nicht mehr nur auf Frauen „in“ der Kunst, sondern auf eine Künstlerin: Rosalba Carriera (1675-1757) mit ihrem letzten Selbstporträt „Die Tragödie“.

Ca’ Rezzonico – Rosalba Carriera macht Karriere

Diese Künstlerin europäischen Ranges, die von Venedig aus die Höfe Englands, Deutschlands, Frankreichs und Italiens mit ihren meisterhaften Porträts in Pastell belieferte, ist auch in der Ca’ Rezzonico vertreten, dem Museum des venezianischen Rokoko. Zahlreiche junge Frauen bildete sie zu Künstlerinnen aus, darunter Marianne Carlevarijs, deren Werke ebenfalls zur Schau gestellt sind. In diesem steinernen Zeitzeugen, einem Palazzo am Canal Grande, lassen sich das Leben und die Pracht der Ladies der High Society Venedigs in der Frühen Neuzeit erahnen.

Zwischen Mittelalter und ModerneScarpa_Querini_web

Wo sich historische Bausubstanz und moderne Architektur die Hand geben:

Das Museum Querini Stampalia, einst palazzo der gleichnamigen Familie, birgt Kunstschätze ersten Ranges aus Renaissance und Barock sowie moderne Formen der Baukunst:

Behutsam und aufmerksam hat sich hier der venezianische Architekt Carlo Scarpa an die Vergangenheit angenähert und dabei die traditionellen Formen venezianischer Palastbauten neu interpretiert.

Partisanin_Venedig_webVenedig im Faschismus und der Widerstand

Mit Erstarken des Faschismus verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen der Arbeiterschaft in der Lagunenstadt.

Der Widerstand, der sich in Venedig gegen italienische Faschisten und deutsche Besatzer formierte, musste taktisch, subversiv und äußerst vorsichtig vorgehen – der einzige Fluchtweg war die Bahnstrecke aufs Festland.

In den »Giardini«, dem heutigen Schauplatz der »Biennale«, stehen Denkmäler für die Frauen im Partisanenkampf, die im Widerstand aktiv waren – eine spannende Form der Erinnerungskultur in Italien.

Streik, Protest und Widerstand

GlasperlenzieherinnenIndustrialisierung auf venezianisch: Keine großen Industrieansiedlungen, sondern Heimarbeit in vermeintlich malerischen Gassen vor den Häusern, so sah das Arbeitsleben der Venezianerinnen um 1900 aus – jenseits von Souvenirs und Nippes.

Die Glasperlenzieherinnen von Castello, die per Hand für die Fabriken auf Murano die Perlen auffälden mussten, galten als streitbar, renitent und selbstbewusst: Mit Streiks und lautstarken Aktionen reagierten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf schlechten Lohn und miese Arbeitsbedingungen.

1904 beendeten sie erfolgreich ihren Streik!


Unterkunft

Ruhiges Wohnen in renoviertem Kloster – Sie reisen individuell an und wohnen in einem ehemaligen Klosterkovent im ruhigen Stadttteil Dorsoduro – im historischen Zentrum Venedigs – unweit der Gallerie dell’Accademia. Das Gebäude verfügt über vier Kreuzgänge aus dem 15. und 18. Jahrhundert und die Kirche Santa Maria della Visitazione. Dank seiner Weite, seiner Architektur und seiner Gärten bietet das Gästehaus als Oase in der Stadt viel Raum und Ruhe für Zusammenkünfte der Gruppe.

Die Einzel– und Doppelzimmer sind hell, mit Blick auf Gärten oder Kreuzgänge, mit Klimaanlage, eigenem Bad (Dusche), Haartrockner und Safe ausgestattet. Die gesamte Anlage verfügt im Innen-und Außenbereich über WIFI-Anschluss. Das Frühstücksbüffet wird in dem großen Frühstückssaal und bei schönem Wetter im Brunnenhof serviert.

Die kulinarische Seite der Lagunenstadt lernen Sie bei gemeinsamen Abendessen in einem typischen venezianischen „Ristorante“ auf der Giudecca kennen.

Leistungen

5 Übernachtungen mit Frühstück, 3 Mehrgängemenüs, alle Museumseintritte und Führungen sowie die Fahrten auf den vaporetti, den venezianischen Wasserbussen.

Die Anreise per Bahn oder Flugzeug erfolgt individuell oder in kleinen Frauengruppen, persönlich beraten von FRIdA Frauenreisen und ist nicht im Reisepreis inbegriffen.

Infos und Anmeldung

FRIdA Frauenreisen

Elke Heinemann & Kirsten Harder

Königstr. 137 a

90762 Fürth

T. 0911-4 33 18 64

F. 0911-4 78 12 55

info [at] frida-frauenreisen [dot] de


Podcast zum venezianischen Alltag von Nadja Bennewitz  (8,5 MB)

Laufen wie am Schnürchen (einer Perlenkette aus Muranoglas)


Die DVD zur venezianischen Frauengeschichte

Venedig – Eine Frauengeschichte

Ein Film von Anette von Zitzewitz

Kamera Susette Wahren

Persephone 2008

Erzählt von:

Nadja Bennewitz, Carla Boccato, Lisette Caputo, Rita Costantini, Tiziana Plebani, Maria Teresa Sega, Nadia Filippini, Alexandra Hai, Maria Pia Miani

Dokumentarfilm, 82 Minuten

Die DVD ist für 25,00 € + Porto zu bestellen bei:

avonzitzewitz [at] web [dot] de

Venezianerinnen erzählen Lebensgeschichten vom 16. Jahrhundert bis heute. Historikerinnen und Künstlerinnen begleiten die filmische Reise durch die einzigartige Stadt Venedig und lassen Orte der Frauengeschichte lebendig werden.

Wir treffen auf Nonnen und Kurtisanen, Künstlerinnen, Ehefrauen und Mütter und erfahren etwas über die Salonière im Ghetto, die Waisenhäuser und Konservatorien für Mädchen („Ospedali“), die Arbeitskämpfe der Glasperlenzieherinnen, den antifaschistischen Widerstand der „Stafetten“ und begegnen den gegenwärtigen Frauenprojekten Venedigs. Dieser Reichtum von Fraueninitiativen fügt sich chronologisch zu einer anschaulichen Alltags-, Kultur- und Zeitgeschichte dieser kosmopolitischen Stadt.