Frauenbildung in Venedig

„Venezias Frauen: leichthändig und stark beim Führen des Ruders“ (Giustina Renier-Michiel 1755-1832)

Frauenbildungsreise nach Venedig mit FRIdA Frauenreisen

16.  (Anreise) – 21. April (Abreise) 2019

Leitung: Nadja Bennewitz M.A., Historikerin

Eine Kunstbesessene Sammlerin, renitente Arbeiterinnen und starke Frauen, die auf der Gondel das Ruder führen, verwunschene palazzi und  verspielte Malerei – bei dieser venezianischen Spurensuche lernen Sie unbekannte Seiten und Winkel der Lagunenstadt  kennen und werfen einen  ungewohnten Blick auf das mittelalterlicher Venedig mit erstaunlich moderner Kunst, Architektur und Organisationsformen des 20. Jahrhunderts.

Ergehen Sie sich in der Frauengeschichte zwischen schattigen Gässchen, weitläufigen Plätzen und auf der schillernden Lagune.
 
Eine besondere Art, dem Alltag zu entfliehen und dabei Frauen-Kulturgeschichte zu erfahren!

Hier können Sie eine Radiosendung über FRIdA Frauenreisen und meine Reisen nach Venedig anhören:

 

Aus dem Programm (Änderungen vorbehalten):

„Ich bin behext von diesem Wasser“

Fanny Hensel Mendelsohn (1805-1847)

 „Bedenken Sie: Venedig ist nicht nur der Markusplatz“, so ein offizieller Hinweis der Stadt.

Und tatsächlich ist Venedig weitaus mehr: Uralte, steinerne Zeugnisse erzählen von der bedeutenden Frauengeschichte und der Geschichte einflussreicher Frauen.

Ein Spaziergang entlang des Canal della Giudecca und des Markusbeckens wird eine erste Orientierung über die Topografie Venedigs  und ihren sechs Stadtteilen geben:

Venedig wird Ihnen zu Füßen liegen!

Gegenüber San Giorgio Maggiore, an der Punta della Dogana, stehen wir vor dem wichtigsten geistlichen Zentrum Venedigs. Ganz bewusst hatten sich die Mönche des dortigen Benediktinerkloster direkt gegenüber dem Dogenpalast platziert – dem Mittelpunkt der weltlichen Macht.

San_Zaccaria_webDie geistliche Macht der Frauen

Das weibliche Pendant zu den mächtigen Mönchen war das Benediktinerinnenkloster San Zaccaria, deren Nonnen dem Dogen einst ihren Gemüsegarten vermachten, damit der dort den Palazzo Ducale errichten konnte.

Die Geschichte des Frauenklosters reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück. Insbesondere an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert zeichneten sich die geistlichen Aristokratinnen durch eine unerwartete Renitenz aus: Eine Reform und strenge Klausurvorschriften wollten sie sich nicht gefallen lassen!

Mit ihren kostbaren gotischen Altären, die die geistleichen Frauen einst selbst in Auftrag gaben, hinterließen sie ein faszinierendes Beispiel weiblichen Mäzenatentums im Mittelalter!

Nackte Männer und malende Frauen:  Giulia Lama (1681-1747)

Die Malerin Giulia Lama war eine bedeutende Vertreterin des venezianischen Rokoko. Ihre Altargemälde in den Kichen San Vidal und Santa Maria Formosa legen Zeugnis ab von ihren Kenntnissen über die menschliche Anatomie.

Kunst, Kitsch und Klatsch – Peggy Guggenheim und ihre Sammlung

pegeen_grand_canal_1956Die erstklassige Sammlung abstrakter und surrealistischer Kunst der skandalumwitterten Peggy Guggenheim (1889-1979) wird noch heute in ihrem ehemaligen palazzo am Canal Grande präsentiert.

Die Förderin der künstlerischen Avantgarde galt als „die letzte Dogaressa“Peggy_Hunde_Canal_Grande Venedigs.

Als Kunstmäzenin ist sie in die Kunst- und Frauengeschichte eingegangen. Jenseits ihrer „Männergeschichten“ widmete sie sich auch der Unterstützung von Künstlerinnen.

In ihrem Museum finden sich jedoch – außer den Werken ihrer eigenen Tochter Pegeen Vail (1926–1967) – (fast) nur Werke von männlichen Kunstschaffenden.

Anhand dieser Werke lässt sich nicht nur die Kunstgeschichte der 20. Jahrhunderts nachzeichnen, sondern auch die Lebensgeschichte von Peggy verfolgen, und die war reichlich aufregend!

 

Die Perspektive wechseln: Gondel fahren mit Alex Hai

FRIdA_Venedig_Hai_2_4094Alex Hai, weltweit berühmt geworden als „Primadonna Gondoliera“, als die erste Gondoliera der Welt, die durch die venezianischen Kanäle rudert, ist nach drei Jahrzehnten der Zurückhaltung, wie es auf der Homepage heißt, „der geworden, der ich schon immer war“, nämlich ein Mann:

„I am not changing who I am – I am becoming who I am“.

Nach einem aufschlussreichen Gespräch mit dem faszinierenden Menschen Alex über die Geschichte der Gondel und der Gondolieri, über die Winde, die über die Kanäle streichen und die Navigationsgesetze im Canal Grande, wo alle Boote strengen Regeln folgen und es nur scheinbar wimmelt, tourt Alex die Frauen der Gruppe in seiner traditionellen Gondel mit leichtem Ruderschlag sanft durch die Kanäle.

Ein Perspektivwechsel: auf die Stadt Venedig von seinen wässrigen Lebensadern aus und auf das Leben überhaupt!

 

Zwischen Mittelalter und ModerneScarpa_Querini_web

Wo sich historische Bausubstanz und moderne Architektur die Hand geben:

Das Museum Querini Stampalia, einst palazzo der gleichnamigen Familie, birgt Kunstschätze ersten Ranges aus Renaissance und Barock sowie moderne Formen der Baukunst:

Behutsam und aufmerksam hat sich hier der venezianische Architekt Carlo Scarpa an die Vergangenheit angenähert und dabei die traditionellen Formen venezianischer Palastbauten neu interpretiert. 

 

 

Partisanin_Venedig_webVenedig im Faschismus und der Widerstand

Mit Erstarken des Faschismus verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen der Arbeiterschaft in der Lagunenstadt.

Der Widerstand, der sich in Venedig gegen italienische Faschisten und deutsche Besatzer formierte, musste taktisch, subversiv und äußerst vorsichtig vorgehen – der einzige Fluchtweg war die Bahnstrecke aufs Festland.

In den »Giardini«, dem heutigen Schauplatz der »Biennale«, stehen Denkmäler für die Frauen im Partisanenkampf, die im Widerstand aktiv waren – eine spannende Form der Erinnerungskultur in Italien.

 

Streik, Protest und Widerstand

GlasperlenzieherinnenIndustrialisierung auf venezianisch: Keine großen Industrieansiedlungen, sondern Heimarbeit in vermeintlich malerischen Gassen vor den Häusern, so sah das Arbeitsleben der Venezianerinnen um 1900 aus – jenseits von Souvenirs und Nippes.

Die Glasperlenzieherinnen von Castello, die per Hand für die Fabriken auf Murano die Perlen auffälden mussten, galten als streitbar, renitent und selbstbewusst: Mit Streiks und lautstarken Aktionen reagierten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf schlechten Lohn und miese Arbeitsbedingungen.

1904 beendeten sie erfolgreich ihren Streik!

 


Unterkunft

Ruhiges Wohnen in renoviertem Kloster – Sie reisen individuell an und wohnen in einem ehemaligen Klosterkovent im ruhigen Stadttteil Dorsoduro – im historischen Zentrum Venedigs – unweit der Gallerie dell’Accademia. Das Gebäude verfügt über vier Kreuzgänge aus dem 15. und 18. Jahrhundert und die Kirche Santa Maria della Visitazione. Dank seiner Weite, seiner Architektur und seiner Gärten bietet das Gästehaus als Oase in der Stadt viel Raum und Ruhe für Zusammenkünfte der Gruppe.

Die Einzel– und Doppelzimmer sind hell, mit Blick auf Gärten oder Kreuzgänge, mit Klimaanlage, eigenem Bad (Dusche), Haartrockner und Safe ausgestattet. Die gesamte Anlage verfügt im Innen-und Außenbereich über WIFI-Anschluss. Das Frühstücksbüffet wird in dem großen Frühstückssaal und bei schönem Wetter im Brunnenhof serviert.

Die kulinarische Seite der Lagunenstadt lernen Sie bei gemeinsamen Abendessen in einem typischen venezianischen „Ristorante“ auf der Giudecca kennen.

Leistungen

5 Übernachtungen mit Frühstück, 3 Mehrgängemenüs, alle Museumseintritte und Führungen sowie die Fahrten auf den vaporetti, den venezianischen Wasserbussen.

Die Anreise per Bahn oder Flugzeug erfolgt individuell oder in kleinen Frauengruppen, persönlich beraten von FRIdA Frauenreisen und ist nicht im Reisepreis inbegriffen.

Infos und Anmeldung

FRIdA Frauenreisen

Elke Heinemann & Kirsten Harder

Königstr. 137 a

90762 Fürth

T. 0911-4 33 18 64

F. 0911-4 78 12 55

info [at] frida-frauenreisen [dot] de


Podcast zum venezianischen Alltag von Nadja Bennewitz  (8,5 MB)

Laufen wie am Schnürchen (einer Perlenkette aus Muranoglas)

 


Die DVD zur venezianischen Frauengeschichte

Venedig – Eine Frauengeschichte

Ein Film von Anette von Zitzewitz

Kamera Susette Wahren

Persephone 2008

Erzählt von:

Nadja Bennewitz, Carla Boccato, Lisette Caputo, Rita Costantini, Tiziana Plebani, Maria Teresa Sega, Nadia Filippini, Alexandra Hai, Maria Pia Miani

Dokumentarfilm, 82 Minuten

Die DVD ist für 25,00 € + Porto zu bestellen bei:

avonzitzewitz [at] web [dot] de

 

Venezianerinnen erzählen Lebensgeschichten vom 16. Jahrhundert bis heute. Historikerinnen und Künstlerinnen begleiten die filmische Reise durch die einzigartige Stadt Venedig und lassen Orte der Frauengeschichte lebendig werden.

Wir treffen auf Nonnen und Kurtisanen, Künstlerinnen, Ehefrauen und Mütter und erfahren etwas über die Salonière im Ghetto, die Waisenhäuser und Konservatorien für Mädchen („Ospedali“), die Arbeitskämpfe der Glasperlenzieherinnen, den antifaschistischen Widerstand der „Stafetten“ und begegnen den gegenwärtigen Frauenprojekten Venedigs. Dieser Reichtum von Fraueninitiativen fügt sich chronologisch zu einer anschaulichen Alltags-, Kultur- und Zeitgeschichte dieser kosmopolitischen Stadt.